Als Pfleger/in in der Schweiz arbeiten?

Die Schweiz verfügt über ein flächendeckendes und sehr komplexes Pflegesystem. Allerdings leidet die Pflegelandschaft in der Eidgenossenschaft ebenfalls unter einem akuten Personalmangel. Aus diesem Grund denken viele Pfleger/innen aus Deutschland darüber nach, in der Schweiz zu arbeiten. Doch lohnt sich dieses Vorhaben überhaupt? Erfahren Sie hier mehr über die Vor- und Nachteile als Pfleger/in in der Schweiz zu arbeiten.

 

Wie sieht die Pflege in der Schweiz aus?

Die Pflege wird in der Schweiz in Pflegeheimen, Rehabilitationseinrichtungen sowie in einzelnen Geriatrie-Abteilungen von Krankenhäusern durchgeführt. Finanziert wird die Pflege durch die Krankenkassen. In der Schweiz müssen alle Bürger/innen über eine Krankenkasse verfügen. Zwar handelt es sich dabei um private Krankenkassen, die jedoch über das Krankenversicherungsgesetz (KVG) reguliert sind. Pflegefachpersonen müssen in der Schweiz eine eigene Ausbildung absolvieren. Ausländische Qualifikationen werden unter bestimmten Voraussetzungen anerkannt. Beispielsweise wird eine dreijährige Krankenpflegeausbildung in Deutschland auch in der Schweiz problemlos akzeptiert. Auch die Bezahlung deutscher Pflegefachkräfte in der Schweiz unterscheidet sich nicht von jener für Schweizer Pfleger/innen.

 

Welche Vorteile bringt das Arbeiten als Pfleger/in in der Schweiz mit sich?

Ein Vorteil ist sicherlich, dass die Schweiz unter einem eklatanten Pflegekräftemangel leidet. Die Bevölkerung wird immer älter und viele Pflegefachkräfte nähern sich ebenfalls bereits dem Rentenalter. Aus diesem Grund ist die Nachfrage nach qualifizierten Pflegekräften in der Eidgenossenschaft sehr hoch. Wer als Pflegefachkraft nach einem entsprechenden Job sucht, wird sicherlich rasch fündig. Außerdem gibt es Agenturen, welche bei der Jobsuche und Einwanderung in die Schweiz unterstützend tätig sind.

Für Pflegefachkräfte ist auch das erzielbare Einkommen in der Schweiz eine Verlockung. Immerhin liegen die Nettolöhne für das Fachpersonal um rund 30 % höher als in Deutschland. Gefragt sind jedoch Pflegekräfte, die eine Dauerstelle wollen. In diesen Fällen kann man sich über einen relativ sicheren Job freuen.
Nicht zuletzt ist die Schweiz ein landschaftlich reizvoller Staat. Berge und Seen bilden eine ruhige und ansprechende Umgebung und bieten zudem zahlreiche Freizeitmöglichkeiten.

Zu den wesentlichen Vorteilen für Pfleger/innen in der Schweiz zählen daher:

  • höhere Löhne
  • die weitgehende Anerkennung der deutschen Ausbildung
  • sichere Arbeitsplätze
  • erholsame Umgebung

 

Welche Nachteile bringt das Arbeiten als Pfleger/in in der Schweiz mit sich?

Der Pflegeberuf ist jedoch auch in der Schweiz mit einigen Nachteilen verbunden. Dazu gehören in erster Linie:

  • hohe Stressbelastung
  • Verlust der Kontakte zu Freunden und Familie
  • schwierige Arbeitsbedingungen
  • strenge behördliche Formalitäten

 

Stress und schwierige Arbeitsbedingungen

Wie in Deutschland herrschen im Pflegeberuf auch in der Schweiz schwierige Arbeitsbedingungen vor. Allgemein gibt es einen hohen Arbeitsdruck und die Stressbelastung ist enorm. Pfleger/innen haben ständig mit Personen zu tun, die unter schweren Krankheiten leiden. Das kann mitunter auch psychisch eine Belastung darstellen. Nicht selten kommt es infolgedessen zu einem Burn-out.

Strenge Formalitäten

Um in der Schweiz eine Arbeitsstelle als Pfleger/in anzutreten, gibt es oft bürokratische Hürden. Zu den wesentlichen Bedingungen, um erfolgreich einen Job zu ergattern, zählen:

  • mindestens zwei Jahre Berufserfahrung als Pflegefachkraft
  • eine dreijährige erfolgreiche Ausbildung
  • der Vorweis bestimmter Zusatzausbildungen wie Intensivpflege
  • ein lückenloser Lebenslauf mit allen Zeugnissen und Arbeitszeugnissen
  • die Beantragung eines Diploms vom Schweizer Roten Kreuz

 

Dazu kommen noch diverse Bescheinigungen sowie ein Strafregisterauszug. Deutsche Pflegefachkräfte müssen zudem höhere Erfordernisse erfüllen als einheimische Pfleger/innen. Der Intensivpflegekurs in Deutschland wird beispielsweise in der Eidgenossenschaft nicht anerkannt. Wer über keine entsprechende Zusatzqualifikation verfügt, muss diese zuerst in der Schweiz nachmachen. Das ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Außerdem kosten auch gewisse behördliche Bescheinigungen für die Arbeitserlaubnis Geld.

 

Soziale Integration

Ein nicht zu unterschätzendes Problem bei der Arbeit als Pfleger/in in der Schweiz stellen die Integrationshürden dar. Schweizer bevorzugen bei gleichwertig qualifizierten Fachkräften immer noch jene aus dem eigenen Land. Auch die Schweizer Mentalität unterscheidet sich deutlich von der deutscher Staatsbürger. Mittlerweile gibt es für ausländische Pflegefachkräfte sogar eigene Integrationskurse, die jedoch immer seltener angenommen werden.

Fazit

Das Arbeiten als Pfleger/in in der Schweiz ist sicher für viele deutsche Pflegefachkräfte verlockend. Allerdings sollte man dabei auch die Nachteile bedenken. Zwar ist das Gehalt etwas höher als in Deutschland, doch die Arbeitsbedingungen unterscheiden sich nicht von deutschen Arbeitsplätzen. Zudem befindet man sich in einer neuen Umgebung und verliert dadurch rasch die Kontakte zu seinen Freunden. Wer jedoch gerne neue Menschen kennenlernen will und Veränderungen nicht scheut, ist als Pfleger/in in der Schweiz gut beraten.

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